Momente des Lebens: Ein Verständnis, das darüberhinausgeht

Momente des Lebens: Ein Verständnis, das darüberhinausgeht

Er taucht den Federkiel in sein Tintenfass und streift ihn sorgsam am Rand des Gefäßes ab, als er ein Beben spürt, verursacht durch eine größere Welle, die gerade den Leuchtturm trifft.

Er verharrt und lauscht dem verebbenden Geräusch. Anschließend gleitet sein Blick über das Barometer, das neben ihm auf dem Tisch steht und er registriert die Werte. Damit kehrt wieder innere Ruhe in ihm ein.

Als der letzte Laut, der gerade noch brandenden Welle endgültig verklungen ist, berührt der Federkiel das Blatt an der linken oberen Ecke, wo er das Datum des heutigen Tages notiert.

Liebe Elisabeth, beginnt er und lässt weitere zärtliche Worte folgen. Er schreibt all das nieder, was er am heutigen Tag erlebt hat und auch all das, was er sich für die Zukunft wünscht.

Seine Gesichtszüge sind dabei entspannt und er lächelt hin und wieder, wenn er einen Witz einfügt. Er möchte seine Elisabeth unterhalten. Kurz überkommt ihn eine Traurigkeit, denn er weiß, sie wird die Briefe nie mehr lesen. Dennoch hatte er sich bisher nicht davon abhalten lassen, ihr jeden Tag zu schreiben. So kann sein Herz, seine Gefühle für sie ausdrücken und er kann sich ihr so nahe fühlen, wie es sonst nicht mehr möglich ist.

Als er das letzte Wort geschrieben hat, liest er seine Zeilen nochmal. Dann faltet er den Brief, mit ein wenig zittrigen Händen, sorgsam zu einem Papierflieger. Er hat das Falten über die Zeit perfektioniert. Er hatte viel Zeit unterschiedliche Faltmöglichkeiten auszuprobieren.
Dann steht er auf und geht nach draußen auf den runden Balkon, der sich rund um das Leuchtturmhäuschen befindet und wo direkt unter ihm das Meer an die Klippen spült. Er zögert nicht lange und holt aus. Es ist ein stabiler Flieger geworden und seine Hand hat einen guten Moment, als sie die Zeilen in die Ferne schickt.
Sogar der Wind ist ihm gnädig, nimmt seine Worte, die sich auf dem Weg übers Meer machen und trägt sie davon, so weit bis sie außer Sicht sind. In diesen Momenten bildet er sich ein, dass seine Briefe so in die andere Welt gelangen, in die seine Elisabeth bereits vor langer Zeit vorgegangen ist.

Dann wirft er einen Blick nach oben und dort in der Form der Wolken glaubt er wieder einmal das Gesicht seiner Frau zu entdecken, wie sie liebevoll  auf ihn herab blickt.


Er nickt ihr zu und ein Lächeln umspielt seine Lippen in dem Wissen, dass sie nie wirklich voneinander getrennt sind.

---

Wenn Du mehr vom Autor lesen willst, hol Dir seine aktuelle Buchserie an der er gerade schreibt: Angelicas Wunderwelt - Bücher gibt es persönlich signiert auf dieser Webseite oder als Ebook, Taschenbuch und Hörbuch auch erhältlich auf Amazon & Thalia. 🤗