Vertrauen ins Universum

Vertrauen ins Universum
Neugierig betrachtet er die Weggabelung, an der er gerade angekommen ist. Die Träger des Rucksacks reiben an seinen Schultern. Mit einem Seufzen setzt er sich unschlüssig zu Boden und befreit sich von seinem Gepäck.
Er dreht sich um und blickt zurück. Dabei lässt er den Weg, den er gegangen ist, vor seinem Inneren vorbeiziehen - hohe Berge der Freude, tiefe Täler der Trauer und verschlungene Wege der Seltsamkeiten. Es war von allem etwas dabei.
Dann blickt er wieder nach vorne auf die Weggabelung. Der linke Weg führt offenbar schnurgerade zu einem Ziel, das er glaubt in der Ferne erkennen zu können. Es ist vermutlich ein altes Gasthaus, das ihm bestimmt ein wenig Komfort zur Erholung bieten würde.
Auch der Weg dorthin lässt auf eine einfache Reise schließen, denn kein Hindernis stört seinen Blick zum Ziel.
Allerdings ermüdet ihn der Gedanke daran, dorthin zu gehen.
Monoton einen Schritt vor den anderen zu setzen, um etwas zu erreichen, das komfortabel erscheint – ist das alles?, fragt er sich und in ihm keimt die Vermutung auf, dass er in seinem Leben gerade etwas ganz Anderes braucht.
Schließlich fällt sein Blick auf den rechten Weg der Gabelung. Hier ist kein Ziel in Sicht und das Chaos selbst scheint auf dem verschlungenen Pfad zu regieren. Bäume und dornige Sträucher wachsen übereinander, dazwischen leuchten bunte Blüten von seltenen Blumen.
Der Anblick lässt ihn erschauern und eine leichte Gänsehaut zieht über seinen Körper.
Für einen kurzen Augenblick hat er den Eindruck, er würde in dem grünen, aber lebendigen Chaos vor sich, ein Spiegelbild seiner Seele sehen.
Ein seltsames Gefühl.
»Nimm den geraden, sicheren Weg auf der linken Seite«, fordert plötzlich eine verängstigte Stimme in seinem Kopf, die sich als Vernunft tarnen möchte.
»Ich mag die bunten Blumen auf dem verwilderten rechten Pfad.«, flüstert sein Herz und erregt so seine Aufmerksamkeit. Er betrachtet den verschlungenen Weg genauer und in diesem Moment wird es still in ihm. Inmitten dieser absoluten Stille hört er eine leise Stimme:
»Vertrau mir, ich sorge für Dich«, spricht das Universum zu ihm.
Entschlossen steht er auf, packt den Rucksack wieder auf seine Schultern und macht einen ersten Schritt auf den wilden Pfad. Dabei drückt er vorsichtig einen Strauch aus dem Weg, beugt sich hinunter, um eine bunte Blume zu bewundern und duckt sich unter einem tiefhängenden Ast hindurch.
Nach ein paar weiteren Schritten beginnt er zu lächeln, während er sich seinen Weg durch das unbekannte Schöne bahnt.