Frühlingsgefühle

Frühlingsgefühle
Der Junge sitzt unter dem Baum und richtet seinen Blick nach oben. Millionen saftig-grüne Blätter offenbaren sich ihm.
»Jedes einzelne Blatt ist voller Leben«, flüstert er begeistert und kann sich kaum mehr davon abwenden.
Als er es doch tut, stellt er fest, dass dieser Baum nur einer von vielen Pflanzen ist, die gerade sprießen. Es ist Frühling, denkt er mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen.
»Neues Leben bedeutet einen neuen Anfang«, sagt er und wiederholt damit mehr etwas, das seine Mutter ihm oft gesagt hatte, als eine eigene Erkenntnis. Dann fasst er Mut, nickt sich selbst zu und fasst einen Entschluss.
Er holt eine abgerissene Papierecke und einen Bleistift aus seiner Brusttasche, rückt seine Brille zurecht und schreibt in seiner schönsten Schrift:
Liebe Louisé, möchtest Du mit mir gehen?
Darunter malt er je einen Kreis mit den Antwortmöglichkeiten Ja und Nein zum ankreuzen.
Anschließend begutachtet er sein Werk von allen Seiten.
»Ein wenig … Verzierung, nicht zu viel«, murmelt er und beschließt noch ein Herz in die rechte Ecke zu setzen.
Dann blickt er noch einmal nach oben in die Baumkrone zu den Blättern:
»Drück mir die Daumen, hörst Du?«
Ein Wind kommt auf und es raschelt. Sanft wiegen die Blätter des Baums hin und her, als würden sie ihm gut zureden.
»Dankeschön, ich kann etwas Unterstützung gebrauchen.«
Schließlich steht er auf und macht sich auf den Weg zu Louise. Dabei hofft er inständig, dass sein Herz sich das richtige Mädchen ausgesucht hatte, an das es sich jetzt verschenken möchte.